Ausstellung "Der Schein der Dinge, Künstlerbücher 1970 bis 2023" bis 20. Oktober 2024

Künstlerbücher sind ein zentraler Bestandteil im Oeuvre von Jürgen Partenheimer. In vier Jahrzehnten schuf der Künstler mehr als neunzig Künstlerbücher. In den 1970er Jahren entstanden fast ausschließlich Unikate, in denen Zeichnungen, Aquarelle, Collagen oder Ölskizzen auf eigene Texte treffen. Im darauffolgenden Jahrzehnt integrierte der Künstler zunehmend druckgrafische Techniken wie Linolschnitt, Radierung und Lithografie. Ab Mitte der 1980er Jahre erschienen autorisierte Auflagenobjekte von meist zehn bis maximal dreißig Exemplaren, teils mit eigenen Texten, teils mit ausgewählten Texten anderer Autor*innen.

Neben der Auseinandersetzung mit bildnerischen Traditionen beinhaltet die Arbeit mit und in gedruckten und veröffentlichten Kunstbüchern für Partenheimer aber noch einen anderen Aspekt: So können Bücher für ihn auch eine Art "objet trouvé" sein, das ihm einen festgelegten, unveränderbaren Rahmen, einen Raum bietet, auf den es künstlerisch zu reagieren gilt. Während Jürgen Partenheimer insbesondere seine Auflagenbücher sorgfältig bis ins kleinste Detail durchgestaltet, beschränkt er sich bei "gefundenen" Büchern darauf, Bilder und Texte mit minimalen Eingriffen zu verändern und neu zu gestalten.

Neben seinem bildkünstlerischen Schaffen hat sich Partenheimer immer wieder auch mit Künstlertexten und als Theoretiker zu Wort gemeldet. 1993 wurde eine Auswahl seiner seit 1970 entstandenen Texte zusammen mit zahlreichen Abbildungen seiner Werke in einem Buch veröffentlicht, das anlässlich seiner Ausstellung im Den Haager Gemeentemuseum und im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt erschien.

Seit er als Künstler tätig ist, untersucht Partenheimer anhand seines außergewöhnlich reichen Spektrums von Büchern, die Möglichkeiten formaler Invention und visueller Erzählsprache. So wesentlich wie seine zahlreichen mit den Büchern in Beziehung stehenden Graphiken und ganz besonders seine Zeichnungen und Texte sind, haben Partenheimers einmalige, überarbeitete und redigierte Bücher dazu beigetragen, seine Kunst, die international in umfangreichen Ausstellungen gewürdigt wird, auf das Wesentliche zu verdichten.

Die Ausstellung in der Kunst- und Museumsbibliothek wird eröffnet am Freitag, 6. September 2024, 19 Uhr, im Kinosaal des Filmforums, Kunst- und Museumsbibliothek, Lesesaal, Henrich-Böll-Platz/Bischofsgartenstraße 1, Eingang: Filmforum, Köln-Innenstadt.

Die Ausstellung zeigt Künstlerbücher von Jürgen Partenheimer aus den 1970er Jahren bis ins letzte Jahr 2023. Sie beginnt mit dem frühen Unikat-Künstlerbuch "Hommage à Wölflin" von 1972 mit vier Papierschnitten und drei Unikat-Büchern von 1983 mit den frühesten Farblinolschnitten in seinen Künstlerbüchern. Viele Künstlerbücher Partenheimers entstanden im Zusammenhang mit Ausstellungen, von denen unter anderen die im Städel in Frankfurt, dem Kunstraum München, der Elba Benítez Galeria in Madrid und der Lorence Monk Gallery in New York gezeigt werden. Nicht fehlen dürfen dabei natürlich die im Zusammenhang mit dem Rheinland entstandenen Künstlerbücher, wie unter anderen "Die Kluft zwischen Himmel und Erde" 1986 von der Kölner Galerie Reckermann herausgegeben und "Im Flug treff ich was fliegt", 1988 herausgegeben von der Bonner Galerie Erhard Klein.

Die wenigen ungebundenen Künstlerbücher Partenheimers ermöglichen es, dass mehrere Seiten der Bücher nebeneinander in den Vitrinen gezeigt werden können.

Zur Person:

Jürgen Partenheimer (geboren 1947 in München), studierte in Deutschland, den USA, Mexiko und Frankreich. Er entwickelt sein Werk aus der Abstraktion und gehört zu den herausragenden deutschen Künstlern seiner Generation. Mit kritischer Theorie und Literatur als inhaltliche Referenz umfasst das Oeuvre Malerei, Zeichnung, Skulptur, Künstlerbücher und Text. In den 1980er Jahren wurde Jürgen Partenheimer durch die Teilnahme an den Biennalen von Paris, São Paulo und Venedig international bekannt.

Zu ausgewählten Museums-Einzelausstellungen gehören die Nationalgalerie Berlin; Stedelijk Museum Amsterdam; National Museum of Fine Art, Peking; CGAC in Santiago de Compostela; Museo de Arte Contemporaneo, Madrid; S.M.A.K. Gent; Pinacoteca do Estado in São Paulo; Ikon Gallery, Birmingham; Kunstmuseum Bonn; Pinakothek der Moderne, München; Sammlung Falckenberg-Deichtorhallen, Hamburg; Contemporary Art Gallery, Vancouver und das Musée Ariana in Genf.

Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet unter anderen mit dem Großen Preis für bildende Kunst NRW, Düsseldorf; dem Preis der spanischen Kunstkritik, Madrid; NEA National Endowment for the Arts, New York; Canada Council Grant, Montréal; Copan Grant, São Paulo; Nirox Foundation Award, Johannesburg; Ehrengast der Deutschen Akademie, Villa Massimo, Rom sowie dem Distinguished Residency Award, Emily Carr University for Art + Design, Vancouver.

Die Ausstellung ist montags von 14 bis 21 Uhr, dienstags bis donnerstags von 10 bis 21 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit