Stadtteilbibliothek besteht seit 50 Jahren
Eine rauschende Party wie bei der Eröffnung am 16. Dezember 1970 gibt es nicht, aber für die Zeit nach den Corona-bedingten Einschränkungen sind bereits einige kleine Überraschungen rund um das 50-jährige Jubiläum der Stadtteilbibliothek Neubrück vorbereitet. Sie ist eng mit der jungen Geschichte des Stadtteils verknüpft. Den Grundstein für Neubrück legte 1965 Altbundeskanzler Konrad Adenauer, der das rechtsrheinische Großbauprojekt als "die fortschrittlichste Siedlung in ganz Deutschland, vielleicht sogar der ganzen Welt" bezeichnete. Die Bibliothek entwickelte sich dabei zum kulturellen Herzstück des Stadtteils. Vorbote einer festen Einrichtung bildete zunächst eine Haltestelle der sogenannten "Autobücherei": Im Mai 1968 hielt der erste Bücherbus am Straßburger Platz. Nach diesem Provisorium wurde am 16. Dezember 1970 ein Flachdachbau zur festen Anlaufstelle, der ursprünglich als Textilgeschäft geplant war, was sich an den großen Fenstern der Außenfront noch heute ablesen lässt. So eignete sich der im Viertel liebevoll „Pavillon“ genannte Bau aber auch für die Stadtbibliothek, die ihn heute gemeinsam mit dem Bürgerverein Köln-Neubrück e.V. nutzt – eine Verbindung, die in Zukunft sogar noch enger werden soll.
Am Eröffnungstag vor einem halben Jahrhundert präsentierte sich die Bibliothek auf dem neuesten Stand der Technik: In Köln erstmalig im Sortiment waren Schallplatten und Dia-Serien. Als bundesweite Premiere in der öffentlichen Bibliothekslandschaft wartete Neubrück sogar mit der Ausleihe von Musikkassetten auf. Das musikalische Angebot für alle erwies sich schnell als Renner. Auf einzelne Platten oder Kassetten gab es manchmal mehr als 20 Vorbestellungen. Bereits im Juni 1971 wurden 90 Unterschriften gesammelt, um beim Direktor der Stadtbibliothek Köln, Horst-Joachim Tümmers, dafür zu plädieren, die LP "Woodstock II" anzuschaffen. Gerne erfüllte dieser den Wunsch und ließ gleich zwei Exemplare für die Ausleihe ordern.
Auch heute ist die Stadtteilbibliothek weit vorne: Nur in Neubrück gibt es die "Silver Gamer – Fithalten mit der Spielekonsole Wii" für Seniorinnen und Senioren. Ob der Literaturkreis "Lesen am Vormittag", die Beteiligung am Neubrücker Kunstsommer, die Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, zahlreiche Kita- und Klassenführungen – die Stadtteilbibliothek ist fest verortet in Neubrück. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein Köln-Neubrück e.V., der sich eine Tür weiter als "TiP" – kurz für "Treff im Pavillon" – präsentiert, schafft Synergien für Veranstaltungen und Engagement im Stadtteil.
Doch der Pavillon, das markante Flachdachgebäude, ist in die Jahre gekommen und bedarf dringend einer Sanierung. Ab Ende 2021 werden die Räumlichkeiten komplett neu gestaltet, um als Stadtteilbibliothek, Treffpunkt, Bürgerzentrum, zur Kommunikation und als Ort für Inspiration zu dienen. Ein offenes Haus mit flexibel nutzbaren Räumen, das viel Platz für alle Altersgruppen vorhält: Platz zum Lesen, Spielen und Arbeiten, aber auch Raum für gemeinsames Kochen, Nähen, Singen, für MINT-Workshops und vieles mehr.
Ein solcher dritter Ort – eine konsumfreie Anlaufstelle und ein Zuhause neben dem eigenen Heim und der Arbeitsstelle – kann nicht ohne die Beteiligung der Menschen aus dem Stadtteil entstehen. Daher wurden Ende 2019/Anfang 2020 die Neubrücker Bürgerinnen und Bürger gefragt: Warum würden Sie in das neue Zentrum kommen? Was würden Sie dort gerne sehen? Wem würden Sie dort gerne begegnen? Was brauchen Sie, um sich dort wohlzufühlen? Diese Wünsche und Ideen sind inzwischen in einen ersten Entwurf für das neue Zentrum eingeflossen und Grundlage für alle weiteren Planungen.
Zum Jubiläum werden, sobald dies wieder möglich ist, 50 Überraschungstüten mit einer süßen Überraschung und einer kleinen Bastelaufgabe an Neubrücker Kinder verteilt. Zuhause wird gebastelt und wer möchte, schickt per Mail ein Foto vom Ergebnis an das Team der Stadtteilbibliothek (neubrueck@stbib-koeln.de).


