Die Partnerschaft im Porträt

Am 19. September 2011 wurde die 22. internationale Städtepartnerschaft der Stadt Köln besiegelt. Im Rahmen eines Festaktes im Stadtpalast der Stadt Rio de Janeiro unterzeichneten Oberbürgermeister Jürgen Roters a. D. und Oberbürgermeister Eduardo da Costa Paes im Beisein von Kölner Ratsmitgliedern, Vertreter*innen der Kölner Wirtschaft und Stadtgesellschaft sowie der Stadtverwaltung den Kooperationsvertrag zwischen beiden Kommunen.

Mit dieser Städtepartnerschaft wurde die schon zwischen den Staatsregierungen beider Länder angestrebte Stärkung der bilateralen Beziehungen auf kommunaler Ebene fortgesetzt. Seit 2008 ist die Bundesrepublik Deutschland mit der Föderativen Republik Brasilien als einziges lateinamerikanisches Land durch eine strategische Partnerschaft verbunden. Ein wesentlicher Themenkomplex in der bilateralen Arbeit ist die Bekämpfung des Klimawandels.
Auch das Land Nordrhein-Westfalen zeigte in den 2010er Jahren mit der Initiative "NRW goes Brazil Plus" großes Interesse am Aufbau deutsch-brasilianischer Beziehungen.
Nicht zuletzt ist die Gründung der Städtepartnerschaft auch auf vielfache Anregung aus der Kölner Bürgerschaft zurückzuführen, die seit jeher intensive Kontakte nach Brasilien pflegt. In Köln ist die Gemeinschaft von Mitbürger*innen mit brasilianischen Wurzeln im Vergleich zu allen anderen Gruppen Südamerikas am größten.
Im Hinblick auf die sportlichen Großereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 mit Rio de Janeiro als einem Austragungsort sowie den Olympischen Sommerspielen 2016 bestand auch seitens Rio de Janeiro großes Interesse an einem engeren Austausch mit der Stadt Köln. Waren wir doch bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 selbst Austragungsort und Hauptquartier der brasilianischen Fans in Deutschland.
Köln – Rio de Janeiro, eine Strategische Partnerschaft

Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit standen von Beginn an die Bereiche
- Klimaschutz
- Wirtschaft/Tourismus
- Bildung und Wissenschaft
- Sport
- Stadtentwicklung
- Kunst und Kultur
Mit der Städtepartnerschaft wird
- im Fach- und Erfahrungsaustausch,
- bei der Arbeit in gemeinsamen Projekten,
- durch den wechselseitigen Wissenstransfer
den Herausforderungen an urbane Ballungszentren im 21. Jahrhundert erfolgreich begegnet. Zudem steht die Vertiefung des interkulturellen Dialogs auf der Agenda.
Leuchttürme in der Partnerschaftsarbeit

Neben den wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen, sind in der Partnerschaft vor allem die Bereiche
- Umwelt/Klimaschutz
- Jugend/Bildung/Sport
zu Arbeitsschwerpunkten geworden. Schwerpunkte, mit denen die städtepartnerschaftlichen Aktivitäten einen maßgeblichen Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen zur nachhaltigen Entwicklung leisten. Im Zuge der Projekte werden von den 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals / SDG ) insgesamt folgende Ziele verfolgt:
- Ziel 2: kein Hunger
- Ziel 3: Gesundheit und Wohlergehen
- Ziel 4: Hochwertige Bildung
- Ziel 5: Geschlechter-Gleichheit
- Ziel 8: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
- Ziel 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden
- Ziel 13: Maßnahmen zum Klimaschutz
- Ziel 15: Leben an Land und vor allem
- Ziel 17: Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

2012 wurde von Engagement Global/Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) das Programm "50 kommunale Klimapartnerschaften bis 2015" aufgelegt. Unter der Mitwirkung der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW wurde in mehreren Workshops ein Handlungsprogramm Klimaschutz mit Rio de Janeiro entwickelt. Im Fokus standen die Themen Abfallwirtschaft und CO2-Bilanzierung.
Aufbau einer Kompostierungs-Anlage
Konkret wurde daran anknüpfend im Zeitraum 2014 - 2018 das Projekt "Reduzierung schädlicher Klimagase durch kontrollierten Abbau von biogenen Fraktionen aus dem kommunalen Siedlungsabfall in Rio de Janeiro" in der brasilianischen Partnerkommune durchgeführt.

Mit der Kompostierungsanlage im EcoParque Caju der städtischen Abfallwirtschaftsbetriebe der Stadt Rio de Janeiro, COMLURB, wird bisher ungenutzter und deponierter Grünschnitt von städtischen Grünzonen sowie der Straßenrandbepflanzung zu Kompost verarbeitet. Damit wird die Menge schädlicher Deponiegase ebenso reduziert wie die CO2-Belastung durch die eingesparten Transportwege per Dieselfahrzeugen zur rund 70 Kilometer entfernten Mülldeponie. Das bei der Kompostierung frei werdende CO2 ist hingegen klimaneutral, weil es beim Wachstum der Pflanzen aus der Luft gebunden wurde.
Über Engagement Global/Servicestelle Kommunen in der Einen Welt konnten für die Umsetzung des Projektes gut 580.000 Euro Drittmittel des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung eingeworben werden, mit denen unter anderem die erforderlichen Geräte und Maschinen angeschafft wurden.

Fachlich und operativ wurde das Projekt maßgeblich durch die beiden kommunalen Abfallverwertungsgesellschaften AVG Köln und COMLURB Rio de Janeiro umgesetzt. Durch die erfolgreiche gemeinsame Arbeit hat sich zwischen den beiden kommunalen Abfallwirtschaftsgesellschaften sowie unserer zentralen Koordinationsstelle Klimaschutz und unserer Abteilung Europa und Internationales im Amt der Oberbürgermeisterin eine tragfähige Organisations- und Arbeitsstruktur entwickelt. Eine wichtige Basis für die Fortschreibung des Handlungsprogramms. 2019 fand dazu in Köln mit Vertreter*innen aller am Projekt bisher Beteiligten ein erster Workshop statt, um ein Folgeprojekt zu konzipieren.
Die Klimapartnerschaft mit Rio de Janeiro schafft ebenso wie die Partnerschaften mit Corinto / El Realejo (Partnerstadt in Nicaragua) und Yarinacocha (Peru) wichtige Anreize, die eigenen Anstrengungen zur Umsetzung des im April 2014 von unserem Rat beschlossenen "Integrierten Klimaschutzkonzepts" zu verstärken.
Kreislauf von Nahrungsmittelabfällen und Vermeidung von Foodwaste
Anknüpfend an das erste Klimapartnerschaftsprojekt haben wir mit unserer Partnerstadt Rio de Janeiro von Januar 2021 bis September 2024 ein Folgeprojekt durchgeführt. Wie bereits im ersten Projekt war auch hier von Seiten Rios der städtische Abfallwirtschaftsbetrieb COMLURB unser Projektpartner. Unter dem Projekttitel "Einführung der Kreislaufwirtschaft für Lebensmittel und organische Abfälle in Rio de Janeiro" zielte das Projekt darauf ab, in unserer Partnerstadt neue Strukturen zur weiteren Reduzierung des organischen Anteils im städtischen Abfall aufzubauen. Damit soll eine weitere Reduzierung von CO2-Emissionen erreicht werden.
Darüber hinaus konnte mit dem Projekt ein maßgeblicher Beitrag zur nachhaltigen Ernährungssicherheit und -qualität geleistet werden.
Der Film zum Projekt vermittelt einen guten Überblick:
Folgende Maßnahmen wurden im Projekt erfolgreich umgesetzt und trugen damit zur Erreichung der Zielsetzung bei:
- In ausgewählten Pilotschulen in Rio de Janeiro wurde zur Vermeidung von Foodwaste zunächst der organische Abfall der Schulküchen analysiert. An den Schulen in Rio wird in der Regel frisch gekocht. Durch Schulungsmaßnahmen konnten Verhaltensänderungen hin zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Lebensmitteln und zur Förderung der Kreislaufwirtschaft erreicht werden: Zum Beispiel werden den Schüler*innen zur Reduktion der Lebensmittelverschwendung verschiedene Portionsgrößen angeboten. Zudem werden die Mengen von zubereiteten Speisen besser kalkuliert und Lagerbedingungen von Lebensmitteln optimiert.
Organische Abfälle werden jetzt getrennt gesammelt und gehen zur Erzeugung von Biogas und Kompost an die Vergärungs- und Kompostierungsanlage des Abfallwirtschaftsbetriebs der Stadt Rio de Janeiro. Bis zum Ende des Projektes wurden bereits 73 Schulen an die Sammelroute angeschlossen.
->Beitrag zu SDG 11, 12, 15 Im schulichen Umweltunterricht wurde das Thema Kreislauf von Lebensmitteln und organischen Abfällen mit dem Einsatz von Kompostkisten aufgenommen. Diese Kisten wurden aus Projektmitteln beschafft und 90 Schulen zur Verfügung gestellt. Lehrkräfte und Mitarbeitende in den Schulküchen wurden hierzu als Multiplikatoren explizit geschult.
->Beitrag zu SDG 4- Die Renovierung und Ausstattung des Schulungszentrums im EcoParque Caju war eine weitere Maßnahme des Projekts: Hier werden die Multiplikator*innen-Schulungen durchgeführt sowie nationale und internationale Fachdelegationen zum Informationsaustausch empfangen. Der EcoParque Caju erlangte durch die Berichterstattung über die dort angesiedelte Biogasanlage, Kompostierungsanlage und Lebensmittelbank viel mediale Aufmerksamkeit. Rio de Janeirro nimmt hier eine Vorreiterrolle innerhalb Brasiliens ein.
->Beitrag zu SDG 4 - Im Rahmen des Fachaufenthalts von Projektmitarbeiter*innen der COMLURB in Köln wurden unter anderem die Kölner Tafel und die Lebensmittelausgabe der Kirchengemeinde in Chorweiler besucht. Weiterhin stand die Besichtigung des Anlagenparks der AVG Köln mit der Kompostierung- und Biogasanlage sowie des Wertstoffhofs der AWB in Köln-Poll auf dem Programm. Die durch den Fachaustausch mit den Kölner Kolleg*innen gewonnenen Erkenntnisse sind unmittelbar in die Umsetzung des Projektes in unserer Partnerstadt eingeflossen.
->Beitrag zu SDG 17 - Wesentlicher Teil des Projektes war der Aufbau der ersten Lebensmittelbank in Rio de Janeiro, der im EcoParque der COMLURB im Stadtteil Caju angesiedelt ist. Hier leben viele Bewohner*innen unter der Armutsgrenze. Als Grundvoraussetzung wurde eine Kooperation mit einer Supermarktkette geschlossen. Der Aufbau wurde von der staatlichen Universität in Rio de Janeiro wissenschaftlich begleitet. In den Supermärkten wird nun Obst und Gemüse, das optisch nicht mehr ausreichend ansprechend für den Verkauf ist, aussortiert und in tatsächlichen Bioabfall sowie in noch für den Verzehr geeignete Nahrungsmittel getrennt. Letztere werden über die Lebensmittelausgabe an Bedürftige abgegeben. Betrieben wird die Ausgabestelle von der städtischen Koordinierungsstelle für Ernährungssicherheit des Sozialamtes der Stadt Rio de Janeiro. Sie organisiert die Zusammenstellung und Verteilung der Obst- und Gemüsekörbe. Zudem legt sie fest, welche Familien oder Einzelpersonen für den Bezug der Lebensmittel berechtigt sind. Für mehr als 250 Familien in einem der ärmsten Stadtteile unserer Partnerstadt wird damit die Ernährungssituation maßgeblich verbessert. Die für den Verzehr ungeeigneten Lebensmittel werden kompostiert. Dieser fertige Kompost wird im Obst- und Gemüsegarten des EcoParque Caju, der ebenfalls während des Projektes angelegt wurde, als organischer Dünger verwendet. Das hier geerntete Obst und Gemüse wird ebenfalls an die Lebensmittelausgabe weitergebenen und ergänzt das Angebot neben den geretteten Nahrungsmitteln. Der Lebensmittelkreislauf wird damit geschlossen.
-> Beitrag zu SDG 2, 11, 12, 13, 15 und 17 - Im Laufe des Projektes wurde auch die Kompostierungsanlage im Caju EcoParque Caju technisch aufgerüstet und um eine Siebmaschine zum Sieben des fertigen Komposts ergänzt. Des Weiteren wurde eine Pilotanlage mit Gore Cover-Technik aufgebaut.
Die COMLURB plant mittelfristig, die Kompostierungsanlage weiter auszubauen. Damit lässt sich die Verwertung von organischen Abfällen weiter steigern. Zugleich kann jener Anteil des organischen Abfalls, der auf die Mülldeponie geht, reduziert werden. Der so erzeugte Kompost wird an Schul- und Gemeinschaftsgärten, an Aufforstungsprojekte und an die Landwirtschaft abgegeben. Ein weiteres Beispiel für eine geschlossene Kreislaufwirtschaft.
-> Beitrag zu SDG 11, 13, 15
Impressionen zum Projekt



Im gesamten Projekt hat die COMLURB eng mit der der staatlichen Hochschule Universidade Federal do Rio de Janeiro (UFRJ) kooperiert. Insgesamt 4 Studierende haben bezahlte Praktika im Rahmen des Projektes absolviert. Dabei wurden Forschungsergebnisse wie zum Beispiel die Analyse der Abfälle aus den Schulküchen sowie die Etablierung von Hygienemaßnahmen und Qualitätskontrollen in der Lebensmittelbank erarbeitet.
Das Projektvolumen betrug insgesamt 348.000 Euro. 90 Prozent der Summe stammen aus Fördermitteln der Kommunalen Entwicklungszusammenarbeit, die über Engagement Global – konkret über die "der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt" (SKEW) – eingeworben wurden. Die verbleibenden 10 Prozent wurden als Eigenanteil von der Stadt Rio de Janeiro getragen.
Ausblick
Mit über 6 Millionen Einwohner*innen und über 1000 Schulen stellen die umgesetzten Pilotprojekte durch die Möglichkeit der Ausweitung auf das gesamte Stadtgebiet einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur CO2-Neutralität von Rio de Janeiro dar. Für ein mögliches Folgeprojekt wurden bereits Ideen ausgetauscht: Rio plant die Einführung der Hausmüllsammlung von organischen Abfällen in einem Stadtbezirk als Pilotprojekt. Hierbei zeigen sich viele Parallelen zum Pilotprojekt "Biotonne für uns" der AWB Köln, bei dem in den Stadtbezirken Bickendorf und Buchforst die verpflichtende Nutzung der Biotonne getestet wird.

Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern. Er hat, wie nur wenige Dinge, die Kraft, Menschen zu inspirieren, die Kraft sie zu vereinen. Er ist mächtiger als Regierungen, wenn es darum geht Rassenbarrieren niederzureißen.
Nelson Mandela
Das Schul- und Sportaustauschprogramm "Mais que uma bola – mehr als ein Ball" richtet sich an Jugendliche beider Städte im Alter von jeweils 14 bis 16 Jahren. Partner sind die Heinrich-Böll-Gesamtschule in Köln-Chorweiler und die Fußballschule "Bola pra Frente", in Guadalupe, Rio de Janeiro, Zona Norte. Letztere wurde von dem ehemaligen brasilianischen Fußballstar Jorge José de Amorim Campos, genannt Jorginho, in seiner Geburtsstadt im Jahr 2000 gegründet und hat sich zu einer der größten sozialen und sportlichen Projekte in der Partnerstadt entwickelt.

Aus Anlass der Fußball Weltmeisterschaft 2014 haben unser Sportamt und die "Rheinflanke gGmbH" mit der Heinrich-Böll-Gesamtschule 2013/14 den ersten Jugendaustausch der Bola pra Frente initiiert. Ziel des Projektes ist die Verbesserung der interkulturellen Kompetenz und der Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen aus benachteiligten Stadtteilen von Köln und Rio.
Im Zuge der Olympischen Sommerspiele 2016 wurde ein zweiter Austausch organisiert, der neben Fußball weitere Sportarten beinhaltete, um dem olympischen Gedanken Rechnung zu tragen. Die Jugendlichen beider Städte wurden wieder im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften auf die jeweils andere Kultur vorbereitet. Dabei wirkten die Schüler* des ersten Austauschs als Multiplikator*innen (Sportausbilder*innen) mit. Im März 2016 (Rio) und im Juni 2016 (Köln) fanden dazu die Begegnungswochen mit jeweils rund 20 jungen Menschen statt.
In den Jahren 2017 und 2018 erfolgte der dritte wechselseitige Austausch. Dabei stand auch die Frage im Fokus, welche Möglichkeiten der nachhaltigen Nutzung sich für die Partner*innen in Rio im Hinblick auf die für die Olympischen Spiele errichteten Anlagen und Infrastruktur ergeben haben. Ebenfalls in 2017 fand erstmals ein dreimonatiger Praktikant*innenaustausch statt, bei dem jeweils zwei Jugendliche nach ihrem Schulabschluss in Gastfamilien wohnten und in der jeweils anderen Stadt ein Sportpraktikum absolvierten. Mit dem Besuch der brasilianischen Jugendlichen im September 2019 ist der erfolgreiche Austausch in die vierte Runde gegangen und wird fortgesetzt.

Beiden Seiten eröffnen die Begegnungen mit Jugendlichen vom jeweils "anderen Ende der Welt" ganz neue Blickwinkel. Globalisierung wird hautnah erfahrbar und das Interesse an der jeweils anderen Kultur geweckt. Der Fußball baut damit eine wichtige Brücke für Bildung durch Sport. Werte wie
- Toleranz,
- Hilfsbereitschaft,
- Fairness,
- und Respekt
werden durch das Projekt spielerisch vermittelt und gelebt. Ein Ansatz, der schon 2014 mit dem DFB- und Mercedes-Benz-Integrationspreis ausgezeichnet wurde.
Für das Projekt konnte auch das Goethe-Institut in Rio de Janeiro als Partner für die Sprachausbildung gewonnen werden. Für die Teilnehmer*innen des Austauschprogramms werden kostenfreie Deutschkurse angeboten.
Last but not least werden wir in der Projektarbeit maßgeblich durch den Köln-Rio Städtepartnerschaftsverein unterstützt. Mit großem Engagement gestaltet er vor allem das Rahmenprogramm für die jugendlichen Gäste aus der Partnerstadt während ihres Aufenthaltes in Köln und unterstützt zudem das Kölner Sportamt auch administrativ.

Darüber hinaus prägen auch gesellschaftspolitische Aspekte die Partnerschaft. Hier vor allem der LGBTQI-Austausch im Rahmen der Aktion "Sister Cities stand together – LGBT rights are human rights". Jedes Jahr laden wir zur Kölner Aktionswoche anlässlich des Christopher Street Days (CSD) Aktivist*innen aus Kölner Partnerstädten ein. Das Programm umfasst das Kennenlernen von Kölner Organisationen wie beispielsweise
- der Kölner Aidshilfe,
- des Beratungszentrum Rubicon,
- des LGBTI-Jugendzentrum Anyway
und dient dem Empowerment und der Vernetzung untereinander und mit den LGBTI-Akteur*innen in Köln.

2018 nahmen erstmals zwei lesbische Aktivistinnen aus dem Unterstützerkreis der im gleichen Jahr ermordeten Stadträtin Marielle Franco an dem Austausch teil. Die Solidarität, die die Teilnehmerinnen nach eigenen Aussagen während des Austausches hier in Köln erfahren haben, hat sie stark beeindruckt. Auch die vielen Anregungen für die eigene Arbeit gegen Diskriminierung im Heimatland haben sie als inspirierende Bereicherung erlebt. Mit der Einladung von Gästen aus Rio de Janeiro sendete die Stadt Köln zudem ein direktes Zeichen für Vielfalt und Toleranz in die Partnerstadt und wird den Austausch vertiefen.
Wirtschaftsbeziehungen

Seit Gründung der Städtepartnerschaft hat es vielfältige Begegnungen auf der Ebene Wirtschaftsbeziehungen gegeben.
Rio de Janeiro war 2011 Gastgeber der Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage. Im Jahr 2018 fanden diese in Köln auf dem Gelände der Koelnmesse statt. Nicht zuletzt angestoßen durch die neue Städtepartnerschaft hat die Koelnmesse ihr Brasilien-Engagement massiv ausgebaut und unterhält seit 2016 eine Tochtergesellschaft in São Paulo. Zuletzt feierte 2024 die international renommierte Spielemesse gamescom als "gamescom latam" in São Paulo Premiere. Nach Köln und Singapur ist Brasilien bereits der dritte Austragungsort des Erfolgsformats der Koelnmesse.
Auch die "KölnBusiness Wirtschaftsförderungsgesellschaft" betreibt ein aktives und erfolgreiches Standortmarketing. Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft 2021 unterzeichnete sie eine Kooperationsvereinbarung (MoU) mit der Wirtschaftsförderung des Bundesstaates São Paulo und InvestSP.
Seit 2023 nimmt die KölnBuisness Wirtschaftsförderungsgesellschaft am internationalen Web Summit Rio teil, einem der führenden Technologie- und Innovationsevents in Lateinamerika. Ein Infostand – seit 2024 in Kooperation mit dem Brazil Business Center Cologne (BBCC) – sowie eine Standortpräsentation sollen effizient und branchenübergreifend brasilianische Start Ups ansprechen.
Karneval und Kultur als verbindende Elemente

Auch die kulturellen Beziehungen zwischen beiden Städten haben an Kontur gewonnen.
Was beide Städte ganz unmittelbar verbindet, ist natürlich der Karneval. Folglich hat das Festkomitee Kölner Karneval von 1823 e. V. in der Session 2012/2013 mit dem Motto "Fastelovend em Blot - he un am Zuckerhot" (Karneval im Blut - hier und am Zuckerhut) die damals jüngste Kölner Städtepartnerschaft ganz besonders gewürdigt.
Aber schon lange vor Gründung der Städtepartnerschaft war der Karneval ein verbindendes Element zwischen Köln und der Stadt am Zuckerhut: 2002, organisiert vom Verein Kölsche Jecke n. e. V., fand die erste Benefizsitzung "Kölsche Jecke för uns Pänz in Rio" zugunsten der Straßenkinder in der Partnerstadt statt. Eine Initiative, die über viele Jahre fortgesetzt wurde.
2003 hat das Traditionskorps "Rote Funken" Rio de Janeiro besucht und einen engeren Kontakt zur Sambaschule GRES Salgueiro geknüpft. 2012 besuchte im internationalen Karnevalsaustausch Paulo Barros von Rios bester Sambaschule Unidos da Tijuca Köln und das Festkomitee Kölner Karneval. Umgekehrt reiste 2013, unmittelbar nach dem Ausklang des närrischen Treibens hierzulande, eine 27-köpfige Gruppe Kölner Karnevalisten nach Rio, um den brasilianischen Karneval in der Partnerstadt kennenzulernen. Dieser dauert traditionell noch vier Tage über den Aschermittwoch hinaus an.
Und was den Karneval in Rio ausmacht, ist auch längst in Köln heimisch geworden. Nicht nur zur Karnevalszeit prägen die vielen Kölner Sambagruppen unsere Kulturvielfalt bei verschiedenen Samba-Festivals.

Auch die Thementage "Lateinamerika – bunt, facettenreich, informativ" im Rautenstrauch-Joest-Museum haben Brasilien und unsere Partnerschaft mit Rio de Janeiro aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet.
Ein weiteres Beispiel für die bilaterale Zusammenarbeit auf dem Kultursektor ist die Unterstützung des Museu Nacional in Rio de Janeiro. Das Nationalmuseum ist Anfang September 2018 durch einen Brand zerstört worden. Als Mitglieder der internationalen UNESCO-Delegation haben der stellvertretende Direktor des Historischen Archivs und die Leiterin des Restaurationsteams die Kolleg*innen in der Partnerstadt bei ersten Rettungs- und Restaurierungsmaßnahmen beratend unterstützt. Daraus hat sich ein enger Austausch zwischen beiden Museen entwickelt.
Förderverein Städtepartnerschaft Rio de Janeiro – Köln e. V.

Mit der 22. Städtepartnerschaft Kölns [Stand 2022] sind große Erwartungen verbunden. Rio de Janeiro ist eine der bekanntesten Metropolen der Welt und steht Köln als neuer Städtepartner gut zu Gesicht. Allerdings bedeutet dies auch eine Verpflichtung für Köln, diese erste Partnerschaft zwischen einer brasilianischen und einer deutschen Stadt nachhaltig zu pflegen und zum Nutzen beider Städte auszubauen.
Dies hat sich der 2011 gegründete "Förderverein Städtepartnerschaft Rio de Janeiro – Köln e. V." zum Ziel gesetzt.
Gerade junge Partnerschaften brauchen ein großes und breit angelegtes Engagement für die Entwicklung lebendiger Beziehungen. Der Förderverein Städtepartnerschaft Rio de Janeiro ist ein aktiver Partner, der sich insbesondere für die Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Städten sowie im Rahmen der Klimapartnerschaft erfolgreich einsetzt.
Köln-Rio Städtepartnerschaftsverein e. V.

Unser wichtigstes Ziel ist, dass sich die Bewohner beider Städte besser kennen lernen. Dazu unterstützen wir Austausch und Begegnung in Kultur, Wissenschaft, Brauchtum und anderen Bereichen.
Beide Vereine zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln-Rio de Janeiro ergänzen sich in ihrer Arbeit und den thematischen Schwerpunkten hervorragend. Mit seinem Engagement insbesondere im Bereich Jugend und Sport deckt der Köln-Rio Verein ein breites soziales Spektrum ab.
Servicestelle Kommunen in der Einen Welt / Engagement Global

Für ein gerechtes globales Miteinander! Engagement Global gGmbH – Service für Entwicklungsinitiativen ist die Ansprechpartnerin in Deutschland für entwicklungspolitisches Engagement, deutschlandweit und international. Engagement Global informiert zu aktuellen Projekten und Initiativen und fördert entwicklungspolitische Vorhaben finanziell. Nicht zuletzt über die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) berät und qualifiziert sie Zivilgesellschaft und Kommunen, private Träger und Einrichtungen.
Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stehen uns als Kommune Engagement Global und die SKEW seit 2001 als Service- und Beratungseinrichtung zur Verfügung.
AVG ABFALLENTSORGUNGS- UND VERWERTUNGSGESELLSCHAFT KÖLN MBH (AVG KÖLN)

Nachhaltigkeit ist per Definition das Zusammenspiel von ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten, bei jedem Einzelnen wie auch bei Institutionen und Unternehmen.
AVG-Geschäftsleitung
Die AVG Ressourcen GmbH ist Partner der Stadt Köln im Rahmen von nachhaltigen Abfallwirtschaftsprojekten mit Kölner Partnerstädten in der Entwicklungszusammenarbeit.
KölnBusiness Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH

Ob Gründung oder Expansion, Förderung oder Finanzierung – Ihr Unternehmenserfolg ist unser Ziel.
Als städtische Tochtergesellschaft ist die KölnBusiness Wirtschaftsförderungs-GmbH die erste Ansprechpartnerin für die Wirtschaft in Köln und unterstützt auch bei verwaltungsrelevanten Fragen.
Heinrich-Böll-Gesamtschule (HBG)

Die Haltung dieser Schule wird nicht zuletzt durch ihr Logo symbolisiert:
- Wir legen großen Wert auf die Gleichwertigkeit aller Menschen.
- Wir wollen uns stets in friedlicher Absicht begegnen und freundlich miteinander umgehen.
- Dazu gehört, dass wir uns darum bemühen, uns gegenseitig zu verstehen, bei Meinungsverschiedenheiten den
Respekt vor dem anderen bewahren, und gemeinsam nach bestmöglichen Lösungen zu suchen,
heißt es in den Leitlinien der Heinrich-Böll-Gesamtschule. Mit dem Schul- und Sportaustauschprogramm "Mais que uma bola – mehr als ein Ball" leisten die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte einen maßgeblichen Beitrag, diesem Leitmotiv gerecht zu werden.
Bola pra Frente

Im Sport- und Erziehungszentrum Bola pra Frente in Rio de Janeiros Stadtviertel Guadalupe kommen Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 17 Jahren zusammen und erhalten von professionellen Sportlern, Sportlehrkräften sowie Psychologen und Sozialarbeiten eine pädagogische Unterstützung. Neben den sportlichen Aktivitäten können die Jugendlichen auch an kostenlosen berufsorientierten Kursen und Projekten teilnehmen. Dazu zählen zum Beispiel Sprach- und Computerkurse sowie Mathematikunterricht.
Goethe-Institut Brasilien

Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Im Zentrum stehen die Förderung und Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland sowie die Pflege der internationalen kulturellen Zusammenarbeit.
Hauptziele des Goethe-Instituts Brasilien in Rio de Janeiro sind:
- die Aktualisierung des Deutschland-Bildes in Brasilien
- die Vermittlung der deutschen Gegenwartskultur
- die Verankerung der deutschen Sprache und Kultur im brasilianischen Bildungssystem

Mit gut sechs Millionen Menschen im Stadtgebiet sowie rund 13,3 Millionen Menschen in der Metropolregion zählt Rio de Janeiro zu den Megastädten dieser Erde und ist nach Sao Paulo die zweitgrößte Stadt Brasiliens. Damit einher gehen große soziale Unterschiede: Während im Süden, direkt an der Atlantikküste die Stadtteile wie Copacabana, Ipanema und Leblon mit ihren weltbekannten Stränden durch sozialen Wohlstand gekennzeichnet sind, finden sich an den Hängen die größtenteils Teil illegal errichteten Favelas. Gebiete, mit katastrophalen Lebensbedingungen für ihre Bewohner*innen. Armut und eine hohe Kriminalität bestimmen hier das Alltagsleben. Besonders prekär ist die Situation in der Favela Rocinha, die nicht nur die größte in Rio de Janeiro ist, sondern die größte in ganz Südamerika.
Ergänzend zu unserem Engagement im Austauschprojekt "Mas que uma bola – Mehr als ein Ball" unterstützen wir über die "Rest-Cent-Spendenaktion" die Favela Triangulo im Norden der Stadt. Denn rund 20 Prozent der Aktiven an der Bola pra Frente stammen daher. Durch die freiwilligen Spenden von Beschäftigten der Stadtverwaltung sowie stadtbeteiligten Gesellschaften – sie setzen die Cent-Beträge ihres monatlichen Nettogehalts ein – konnten zuletzt Hilfsgüter wie Lebensmittel, Medikamente, Matratzen, Ventilatoren und Lehrmaterial für Schüler*innen beschafft werden.
Trotz der vielen Armutsviertel zählt Rio de Janeiro nach Sao Paulo zur wirtschaftlich stärksten Metropole Brasiliens und ganz Südamerikas. Neben dem Finanzwesen und dem produzierenden Gewerbe wie Bekleidung, chemische und pharmazeutische Produkte, Möbel, Metallwaren, Nahrungsmittel, Schiffe und Textilien ist die Wirtschaftskraft Rio de Janeiros wesentlich durch die Sektoren Medien und Tourismus geprägt. In der Partnerstadt sind die großen Printmedien ebenso beheimatet, wie das drittgrößte Fernsehnetzwerk der Welt. Vergleichbar zu Köln gilt Rio de Janeiro als Produktionshochburg für viele Programmformate. Hier allen voran die (Tele-)Novelas.

Vergleichbar mit Köln sind auch die touristischen Attraktionen. Zum einen die Wahrzeichen der Stadt, zum anderen der Karneval. Der weltberühmte Kölner Dom findet sein Pendant in der 30 Meter hohen Statue Cristo Redentor (Christus der Erlöser) auf dem Berg Corcovado, gegenüber dem Pão de Açúcar, wörtlich übersetzt Zuckerbrot und portugiesischer Begriff für Zuckerhut.
Der carneval do Rio oder carneval Carioca (Carioca werden die Bewohner*innen Rio de Janeiros nach dem indigenen Volk der Tupinambás genannt) zeichnet sich in Rio de Janeiro genauso durch seine Lebensfreude und farbenfrohe Pracht in den Kostümen aus wie in Köln. Und diese Lebensfreude geht weit über die Karnevalszeit hinaus.

Darüber hinaus sind natürlich die schon erwähnten Strände ein Magnet für die Carioca und Gäste aus aller Welt. Lohnenswert ist aber sicher auch ein Besuch des Theatro Municipal, der Opéra Garnier, der vielfältigen Museen, der Aufführungen in der Stadt der Künste "Cidade da Artes". Unter den Sakralbauten sticht die modernistische Catedral de São Sebastião do Rio de Janeiro, benannt nach dem Stadtpatron Rios, hervor.
Aus sportlichem Blickwinkel beeindrucken der Olympiapark mit dem Gros der Wettkampfstätten der Olympischen Sommerspiele 2016 im südwestlichen Stadtteil Barra da Tijuca sowie das legendäre Estádio Jornalista Mário Filho Fußballstation im Maracanã Sportkomplex. Hier besiegte die deutsche Fußballnationalmannschaft am 13. Juli 2014 die Auswahl aus Argentinien nach Verlängerung eins zu null und wurde zum vierten Mal FIFA-Weltmeister.
Kontakt zur Partnerstadt Rio de Janeiro

Mehr Informationen zur Partnerstadt finden Sie direkt auf der Homepage von Rio de Janeiro.
Mit international 37 Partnerstädten zählt Rio de Janeiro 15 offizielle Städtefreundschaften mehr als Köln. Gemeinsam haben wir Partnerschaften mit
- Barcelona (Spanien)
- Peking (Volksrepublik China)
- Istanbul (Istanbul)
- Lille (Frankreich)
- Tel Aviv (Israel)
- Tunis (Tunesien)
Ein Potential für tri- und multilaterale Projekte.
Impressionen aus der Partnerstadt


